
Vorhang auf für unseren ersten Interviewpartner bezüglich der Evalutionsbögen! ein großes Dankeschön an Herrn Gebauer, der sich als erstes "Opfer" für unsere Fragen zur Verfügung stellte!
1. Für wie sinnvoll halten Sie den Bogen?
Grundsätzlich sind Fragebögen ein wichtiges Element zur Erhebung relevanter Daten. Wie bei allen empirischen Untersuchungen ist es schwierig, alle gewünschten Daten optimal zu erfassen. Vor allem der Bereich Schule ist sehr komplex und daher schwer mittels eines Fragebogens abzubilden. Mir persönlich sind die Fragen zu „schwammig“, oft zu standardisiert. Gerade die Besonderheiten des Schultyps FOS/BOS werden zu wenig berücksichtigt.
2. Aus Ihrer Erfahrung als Verbindungslehrer: Wie stehen die Chancen, dass sich etwas verändert, dass die Schüler als negativ empfinden?
Kommt darauf an! Man muss differenzieren, ob es sich bei der Kritik um grundsätzliche Aspekte wie Schulorganisation usw. handelt oder ob es nur einzelne, individuell wahrgenommene Probleme geht. Aber ich denke schon, dass diese Fragebogenaktion Denkanstöße gibt, was man künftig besser machen kann. An unserer Schule wird den Sorgen und Nöten von Schülern in der Regel immer Gehör geschenkt, so dass die Chancen sehr gut stehen, Negatives zu ändern, um das Schulklima weiter zu verbessern.
3. Wie wird unter den Lehrern mit den Bögen umgegangen?
Es wird nicht allzu viel über diese Fragebögen diskutiert, auch die Teilnahme verläuft eher schleppend. Vielleicht sind einige Kollegen mehr als die Schüler der Meinung, dass sich dadurch nicht viel ändert? Wie gesagt, nur eine These!
4. Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass wir solche Bögen brauchen und die Schüler sich oft nicht trauen, die Lehrer direkt anzusprechen? Besteht hier immer noch Grund zur Annahme, dass der „Lehrer am längeren Hebel“ sitzt?
Es liegt in der Natur der Sache, dass Menschen mit Kritik von außen unterschiedlich umgehen. Kritikfähigkeit ist meiner Einschätzung nach eine der wichtigen „soft skills“, die so oft von der Wirtschaft gefordert werden. Vielleicht wird in dieser Konfliktsituation die Kernproblematik oft unterschiedlich wahrgenommen (Stichwort: Empfänger – Sender). Man neigt vielleicht als Lehrer auch oft dazu, die geäußerte Kritik zu persönlich zu nehmen und fühlt sich angegriffen. Reaktion: Auf „stur“ schalten. Wenn ein Lehrer heute noch das Drohmittel „ich sitze am längeren Hebel“ braucht, dann sollte er seine Einstellung als Pädagoge grundsätzlich überdenken. Meine Überzeugung ist, dass echte Autorität nur von innen kommen kann (durch wirkliches Vorleben von Werten) und nicht Kraft Amt. Eine derartige Einstellung ist nicht mehr zeitgemäß und meine Erfahrungen, vor allem im BOS-Bereich, bestätigen mir das auch. Ein anonymer Fragebogen kann da eventuell Abhilfe schaffen.
5. Irgendwelche Anregungen oder Kritikpunkte Ihrerseits, wie man die Schüler-Lehrer-Kommunikation bei Problemen verbessern könnte oder überhaupt mal umsetzen könnte?
Reden, reden, reden! Immer miteinander in Kommunikation bleiben! Nicht hintenrum lästern, sondern direkt zum betroffenenen Lehrer oder Schüler gehen und ein vier-Augen-Gespräch suchen. Man könnte sicherlich regelmäßige „Stammtische“ organisieren, aber oft sind eben Probleme dringlich und dann kann man nicht Wochen auf einen Aussprachetermin warten. Falls die Situation zu verfahren ist, wäre eine Art Mediator und/oder Streitschlichter wahrscheinlich nicht schlecht. Ob da immer der gewählte Verbindungslehrer geeignet ist, bezweifle ich. Meist ist dieser auch wieder in irgendeiner Art und Weise „befangen“. Zudem wird man als Verbindungslehrer ja auch nicht geschult. Das wäre so eine Anregung: Schulungen für derartige „Kommunikationsprobleme“.
Vielen Dank für das Interview!
5 Kommentare:
Na ja, warum wird immer nach SCHLECHTEM gesucht, können wir nicht auch das ansprechen, was gut ist ? Ich finde, die Mehrheit unserer Lehrer kümmert sich um das Wohl der Schüler....
Anonyme Fragebögen verwenden viele Lehrer und auch bei der Evaluation konnte man auch seine Meinung äußern ..
Warum braucht man einen Mediator?
Vielleicht weil man in gewissen Situationen einfach anders nicht mehr weiterkommt? Wenn beide Seiten sich auf nichts einigen können ist doch so ein Mediator gar nicht schlecht.
Und nach Schlechtem wird wahrscheinlich gesucht, um es zu verbessern.
Einfach zu sagen, alles sei super ist ja auch nix.
Zudem bringen anonyme Fragebögen bestimmter Lehrer einfach gar nichts, weil sie nicht mal ein Feld für Kritikpunkte bzw. Verbesserungsvorschläge enthalten.
Ich finde die Idee mit einem Mediator auch nicht schlecht, bestimmte Lehrer sind so von ihren Qualitäten überzeugt, dass sie sich durch keinerlei - durchaus gerechtfertigter Kritik - beeinflussen lassen. In solchen Situationen könnte ein Mediator durchaus helfen.
Das Interview zeig wenigstens mal wie`s wirklich aussieht. Wenn man andere Interviews durchliest sollte man meinen man befindet sich an zwei verschiedenen Schulen! Manche Leute sollten vielleicht einfach mal Ihre rosarote Brille abnehmen oder einfach aufhören Probleme zu verdrängen und zu behaupten es gäbe keine
Ich möchte mich auch nochmal kurz zu den Fragbögen äußern. Ich finde den Inhalt und vor allem die Auswertung teilweise schon sehr lustig bzw. fragwürdig.
Zum einen ist ein Fragebogen, der rein die vergangene Stunde betrachtet Quatsch, weil wahre Probleme in mehr als einer Stunde entstehen und der Lehrer vielleicht den Fragebogen genau nach einer Stunde austeilt, in der man von der sonstigen Unterrichtsgestaltung abgewichen ist. Zudem sind die Fragen oftmals so gestellt, dass keine wirkliche Kritik daraus ersichtlich wird.
Desweiteren ist es sehr kontraproduktiv, wenn man von Fällen hört, in denen der Lehrer einen Schriftvergleich gemacht hat, um die Identität von Autoren negativer Kritiken herauszufinden. Außerdem gibt es auch Lehrer, die einzelne, abweichende Kritik als Außnahmen abstempeln und daher gar nicht erst beachten. Das steht ja wohl der "konstruktiven Kritik" entgegen und fördert ja schon fast, dass richtige Kritik ausbleibt und sich folglich überhaupt nichts verändert.
Von daher wären Mediatoren vielleicht ein gutes (zusätzliches) Mittel, um etwas zu verbessern.
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